Hilfe aus Ahrensburg, wie lange noch?

Schwester Johann Baptist P.I.J., Ärztin in Kolumbien, antwortet auf drängende Fragen  während eines Deutschlandbesuchs im November  2006 

Frage: Seit nun mehr 34 Jahren unterstützt die Kath. Kirchen- gemeinde in Ahrensburg Schulen und Internate der Schwestern vom Armen Kinde Jesu in Bogotá. Und nun zur Frage: Ist unsere Unterstützung ein Fass ohne Boden? Oder mit biblischen Worten gesprochen, gleicht sie dem Samen, der auf guten Boden fällt und reiche Frucht trägt? 

Schwester Johann Baptist bei einem Hausbesuch in Cázuca

Schwester Johann Baptist: Wir sind uns durchaus der Bedeutung der Hilfe aus Ahrensburg bewusst und können unsere Dankbarkeit nur im Gebet für alle Unterstützer ausdrücken. Ahrensburg trägt zu einem wesentlichen Teil zum Unterhalt unserer Sozialstationen bei. Was die dreißig Jahre angeht sollten wir beachten, dass ein fürchterlicher Bürgerkrieg seit 40 Jahren unser Land zerreißt und immer neue Elendsviertel entstehen. Dadurch steigt auch die Anzahl der Kinder, deren Zukunft zerstört wird. In unseren Sozialzentren betreuen wir augenblicklich mehr als 2400 Kinder. Jährlich verlassen viele Jugendliche die Schulen mit einem qualifizierenden Schulabschluss, teils um zu studieren oder um unmittelbar ins Berufsleben einzusteigen z.B. als Sekretärin. Unser Bemühen ist es, den jungen Menschen durch Bildung und Erziehung eine Möglichkeit zu bieten, sich selbst eine bessere Zukunft aufzubauen. In einigen Stationen übernehmen Laienschwestern und ehemalige Schülerinnen an den Wochenenden kostenlos die Betreuung der Kinder und Fortbildungskurse für Erwachsene. Sie geben so etwas von dem zurück, was sie als Hilfe aus Deutschland empfangen haben. 

Frage: Was passiert mit den Spendengeldern? 

Schwester Johann Baptist: Mal abgesehen von den persönlichen Zuwendungen der Paten zu Festtagen wie Ostern und Weihnachten werden alle Gelder ausschließlich zur Finanzierung des Unterhaltes der Internate und Schulen genutzt. Wir bezahlen damit die Unterkunftskosten, die Kosten für Lebensmittel, die Kosten für die obligatorische Schulkleidung. So können wir sicherstellen, dass alle Kinder gleich behandelt werden unabhängig davon, ob sie einen Paten in Deutschland haben oder nicht. 

Frage: Wäre es nicht sinnvoller, den Hunger der Kinder durch mehr "Suppenküchen" zu stillen, als aufwendige Schulen zu unterhalten? 

Schwester Johann Baptist: Sicher wir könnten viel mehr Kinder satt machen und das auch über einen längeren Zeitraum. Aber ist dies nicht zu kurz gedacht? Als wir im April 2005 den Kinderhort in Cazucá eröffneten, kamen viele Kinder zu uns, die zuerst einmal lernen mussten, wofür eine Toilette da ist. Von Händewaschen ganz zu schweigen. Auch bei so manchen Eltern hapert es beim Lesen und Schreiben. Der Schlüssel zum Erfolg für alle kirchliche Entwicklungshilfe liegt in der Bildung und Erziehung, so neulich auch Papst Benedikt XVI. Denn nur derjenige, der über einen gewissen Grad an Bildung verfügt, wird ein selbst verantwortetes Leben führen können; nur er ist zur persönlichen Entscheidungen fähig. Mittel zur Familienplanung und gegen Aids sind gut, ja notwendig, setzen aber voraus, dass die Anregungen und Anleitungen gelesen und verstanden werden können, wenn sie nachhaltig wirken sollen. Ich bin seit Jahrzehnten als Ärztin in diesem sozialen Umfeld tätig, und weiß wovon ich rede. Medikamente und Essen verteilen hilft für heute, löst aber nicht die Probleme der Zukunft. Frage: Und da haben Sie bestimmt Erwartungen an uns alle? Schwester Johann Baptist: Ja! Wir brauchen weiterhin Ihre Unterstützung, sowohl Ihre materielle Hilfe wie auch Ihr Gebet. Sehen Sie, Cazucá haben wir geplant für 70 Kinder, jetzt stehen aber täglich bis zu 150 Kinder mit traurigen Augen vor der Türe. Dafür, dass wir hier helfen können, sind wir Ihnen von ganzem Herzen dankbar. 

Nur durch Ihre Spende kann der Schulbetrieb gesichert werden.